Prora2013 – attended

prora

Von Koblenz über Berlin sind wir nun in Prora angekommen. Diesmal war die ganze Familie Kaeschkaefer unterwegs und krabbelte über die Dünen. Am Freitag mussten wir allerdings zuerst unser Cachemobil packen. Also los, alles in Klappkisten packen und aus dem 3. Stock runtertragen. Keine große Sache eigentlich, denkt man sich nichts bei. Na gut, vielleicht waren zwei Klappkisten übereinander zuviel, vielleicht war auch die Treppe unauffällig staubig und dadurch rutschig geworden. Wie dem auch sei, aus irgendwelchen Gründen, die nur mit Murphy’s Law erklärbar sind, rutschte ich mit den zwei Kisten aus und landete mit dem Hintern auf der Treppe, um dann in Slapstick Manier 4 weitere Stufen auf meinem Hintern herunterzuhoppeln. Das wäre ja eigentlich nicht weiter schlimm, nur hatte sich zwischen meine Po-Backe und der Treppe leider das Cachephone gemogelt und quittierte das unsanfte Drücken meiner Po-Backe einerseits und der Treppenstufe andererseits mit einem scherbenverzierten Exitus.

Nun habe ich den Artikel über das Cachen mit Smartphone noch nicht geschrieben, aber es sei verraten, das ich ein glühender Verfechter dieser Art des “Paperless Geocachens” bin. Dumm genug, dass nun alle gespeicherten Caches und Rätsellösungen unwiederbringlich verloren gegangen waren und das auch noch vor dem Mega-Event? Das kann man schon als harten Schicksalsschlag betrachten.

Nach ein paar Wutausbrüchen und Hätte-Wäre-Wenn-Gelaber erinnerte ich mich an mein altes Etrex Htc, packte das Laptop ein und ab ging die Fahrt.

Ankunft

Vor Ort steuerten wir die Wohnmobiloase an und suchten erstmal einen Stellplatz. Dann huschten wir noch schnell zum Event-Gelände. Dort lief gerade noch die Dokumentation über das KdF Prora. Das war genau das richtige für die müden Kinder. Ich meldete uns derweil an.

Wieder zurück in der Oase, stellten wir bald fest, dass hier jede Kleinigkeit mit Geldautomaten geregelt wurde. WC  – 20 Cent, 5 Liter Frischwasser – 10 Cent, Wasser Entsorgung – 50 Cent. Laut meckern, warum die Klos um 20:30 sauber gemacht werden – unbezahlbar.

Wie wir da vor dem Klohäuschen standen, kam ein freundlicher Geocacher an und fragte, ob es sich noch lohne aufs Event-Gelände zu gehen. Wir kamen ins Gespräch und wir klagten ihm unser Leid wegen des kaputten Handys. Schwuppdiewupp bot uns der Herr Geo.gecko an, dass wir sein Iphone am Samstag nutzen könnten. Der Tag war gerettet.

Samstag

Am Samstag quälten wir uns dann recht früh aus den Federn, um noch rechtzeitig zum Frühstück auf dem Gelände zu sein. (Warum hatte ich Dämel bloß Frühstück gebucht, das hätten wir auch gemütlich am Cachemobil essen können). Wir genossen die Brötchen mit Marmelade und Analogkäse und hamsterten schnell noch um 9:30 Uhr (im Programm stand Frühstück bis 10:00 Uhr) einen zweiten Kaffee und ein letztes Brötchen, bevor die emsigen Jugendherbergs-Angestellten das ganze abräumten. Um noch etwas Positives hinzuzufügen: Den Kaffee hatte ich mir schlimmer vorgestellt.

Geocaching Wonderland

Dann gings an den Strand, zur Spartakiade, Brombeeren essen und Tradis abgreifen. Für Multis oder gar den Nachtcache war das Iphone und das Etrex dann doch etwas dürftig. Die Prora Organisatoren hatten sage und schreibe 35 Event-Caches gelegt. Das nenne ich Auswahl. Zum Vergleich: Koblenz: Viele Caches in der Nähe des Events waren deaktiviert worden, da der große Ansturm nicht verkraftbar war, Berlin: Ein paar Event-Caches waren wohl gelegt worden, die meisten anderen blieben aktiv. Prora: Geocaching-Wonderland.

Die Gegend hier um Prora ist wohl am ehesten noch mit dem von den Dosenfischern besungenen Tagebau vergleichbar. Die Gegend ist urig und naturbelassen und es gibt immer mal wieder interessante Stellen, an denen man beim Suchen aber nicht sein Leben riskieren muss. Sogar die vierspurigen Cacherautobahnen werden wohl verkraftbar sein und bald wieder verschwinden.

Glückliche Geocacher machen Cover Band glücklich

Samstag Abend traten dann noch die Cover-Piraten auf. Nein, es ist keine Geocaching Band und ich musste mir teilweise überlegen, ob ich die Gassenhauer (Hölle, Hölle, Hölle) wirklich mitsingen will. Die Stimmung war trotzdem gut und das intensive Mitsingen machte die Cover Piraten glücklich.

CITO oder die Frage: Wer macht mehr Müll?

Am Sonntag wollten wir eigentlich das bekante Frühstück sausen lassen, aber wir rafften uns dann doch auf und es gelang uns in den letzten 15 Minuten noch genug Kaffee, Brötchen und Marmelade zu horten, dass wir in Ruhe frühstücken konnten.

Wieder auf dem Gelände angekommen, sahen wir den Leuten mit ihren blauen Müllsäcken zu. Hmmm, so dreckig war es hier doch gar nicht. Wir hatten schon vor dem Frühstück  festgestellt, dass die Geocacher insgesamt wenig Müll liegen lassen. Nun waren praktisch mehr Müllsäcke unterwegs als es Müll gab. Ingesamt hat der Cito wahrscheinlich mehr Müll in Form von Plastiksäcken verursacht, als wirklich Müll im Gelände herumlag. Hier zeigt sich doch deutlich die Punkte-Geilheit der Leute.

Bei einer Szene musste ich besonders schmunzeln: Offenbar fragten sich jugendliche Muggel, die in der Jugendherberge übernachtet hatten, warum hier so intensiv aufgeräumt wurde.  Ein Erklärungsversuch war sinngemäß: “Geocacher sind saubere Leute, wir räumen den Müll, den wir gemacht haben wieder weg”. Er verschwieg wohl, dass hier alle nur deswegen so eifrig suchten, weil sie sich ins Logbuch einschreiben konnten. Eine handvoll Freiwilliger hätte die paar Plastikbecher auch wegräumen können. Komisch wurde es dann, als eine Angestellte des Prora Zentrums darum bat nicht ständig ihre Schilder abzuhängen, denn die wurden noch für einen Ausstellung am Nachmittag gebraucht, worauf sie im Spaß gefragt wurde, ob die Aufräumcacher nicht wenigstens schonmal ihre Zigarette mitnehmen könnten. Sie verneinte.

Heute las ich eine Twitter-Meldung, dass wohl Bierbänke und ein Scheinwerfer “geklaut” wurden. Meine Theorie: Da wollte jemand einfach nur aufräumen. Das Plakat vom Twittertreffen war ja wohl auch zwischenzeitlich unauffindbar.

Alles in allem ein gelungener Event.

Fazit der 3 Mega Events (Achtung es ist nach 0:00 Uhr, da werde ich immer ein bisschen philosophisch)

Das Geocaching nimmt dann bizarre Formen an, wenn versucht wird möglichst viele Caches in kurzer Zeit zu loggen. Das führt dann manchmal zu Szenen, in denen schweißgebadete Menschen hektisch den Waldweg entlanghechten, nur um ihren Stempel in ein Tradi Logbuch zu drücken.

Interessant sind auch die vielfältigen Erscheinungen der Geocaching Mode. Mal militärisch mit Tarnfleck, mal voller Buttons wie beim Wacken Festival, mal Tracking Codes auf jedem Kleidungsstück, dass man meint, der arme Mesch hat Angst, dass seine Kleidungsstücke irgendwann unauffindbar sind und nur noch durch die Logs auf gc.com eingesammelt werden können.

Geocacher treten gerne in Gruppen auf und loggen auch in solchen. Telefongespräche auf dem Event in denen in einer stillen Ecken ins Telefon erklärt wird, welcher Stein, wie herumgedreht werden muss, um an den nächsten Hinweis zu kommen, hört man öfter mal. Ein gut gefülltes Telefonbuch hiflt dabei, Caches schnell am gleichen Tag noch zu finden und nicht ständig wiederkommen zu müssen. Events sind beliebte Orte, um sich gegenseitig beim Suchen zu unterstützen, das können Tipps oder ganze Mystery-Lösungen sein.

Erstaunlicherweise erliegt man der Punkte-Sammel-Sucht relativ leicht. Es kostet Energie sich davon loszusagen. Nein, der Tradi ist langweilig, nein auch die nächsten 10 sehen alle gleich aus, es lohnt sich nicht. Das ist schwierig, wenn man doch gerne die Karte der Homezone mit lachenden Gesichtern füllen will und alle anderen immer mehr Punkte haben als man selber. Das dumme ist, es hört nie auf. Wenn man 200 PUnkte hat schielt man auf die, die  800 haben, wenn man 800 hat sind die 1000 nicht weit, wer die 1000 hat, denkt, die nächsten tausend schaffe ich schneller usw. Es ist ein bisschen so wie beim Geld verdienen, selbst wenn man mehr erreicht, ist es nicht genug, selbst Millionäre wollen immer mehr und verlieren dabei viele anderen Dinge aus den Augen.

Was verlieren Geocacher aus den Augen? Höher? schneller? weiter? lohnt sich das? Muss man sich immer weiter aufwerten, indem man 16 Bundesländer an einem Tag macht? Die Matrix voll macht, 10 Mega Events besucht, auf LPs rumwandelt?

Mein Fazit: Geocacher wollen Anerkennung, Aufwertung, Belohnung. Fragt sich nur, warum das über die Punktestatistik geschehen muss. Viel besser ist es doch einen interessanten Cache zu legen, für den man bei jedem Log Anerkennung bekommt. Das ist wohl die direkteste Form der Belohnung und für das Geocaching eigentlich die gesündere. Ich versuchs mal.

 

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